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Stahlrohre

Wirtschaft schwächelt, Energie geht immer

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November 2012 — Hersteller von Rohren für Automobilbranche und Maschinenbau sind unmittelbar von der Konjunktur dieser Industrien abhängig. Dagegen ist das Geschäft mit Rohren für die Infrastruktur eher spätzyklisch: Die Energiewirtschaft richtet sich nach langfristigen Bedarfsänderungen. Betriebe, die Rohre für leitungsgebundene Medientransporte herstellen, könnten insoweit mit der Energie- und Wasserversorgung rechnen. Indikatoren für Großrohr-Hersteller sind die globalen Öl- und Gasmärkte in Abhängigkeit vom Ölpreis, die weltweite Anzahl aktiver Bohrlöcher, die Gesamtlänge von Explorationsbohrungen und der Bedarf an Oil country tubular goods, den OCTG-Produkten.

Annahme dieser Prognose ist, dass die Dynamik der Weltwirtschaft etwas nachlässt, der grundsätzliche Aufwärtstrend aber weiter besteht. Der Aufschwung ist regional unterschiedlich stark und schnell. So dürften Staatsverschuldung und Finanzreformen die Entwicklung in den Industrieländern bremsen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer dagegen wachsen wieder. Für die Stahlrohrbranche ergibt sich insoweit ein positives realwirtschaftliches Umfeld.

Steigende oder zumindest stabile Öl- und Gaspreise sollten gute Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Investitionsbereitschaft des Energiesektors nicht abnimmt. Hoffnung setzt die Branche auch darin, dass zu den bereits im Bau befindlichen Pipelines weitere große Leitungsrohrprojekte beschlossen werden. Inwieweit sich der Kraftwerksbau außerhalb der Schwellenländer erholen kann, ist für die nähere Zukunft allerdings fraglich. Dagegen sollten die positiven Entwicklungen in der Automobilindustrie und vor allem im Maschinenbau für eine Stabilisierung oder sogar Steigerung der Nachfrage sorgen.

Analysten gehen jedoch davon aus, dass 2012 außerhalb Chinas das Rekordniveau der Vorkrisenjahre noch nicht erreicht wird. Für das Reich der Mitte selbst erwartet man, dass die dortige Stahlrohrproduktion künftig weniger stark zunimmt als bisher und hauptsächlich vom Bedarf im eigenen Land angeschoben wird. Unter den großen Rohrherstellern hatte 2009 nur China die Produktion erhöht. Mit plus 14 % auf 53 Mio. t baute die Volksrepublik ihre Stellung als führender Stahlrohrproduzent aus. Die Produktion ging in den GUS-Staaten um 19 % zurück, wobei Russland allein nur –13 % verzeichnete. Einbrüche hinnehmen mussten die Stahlrohrhersteller in den USA mit –45 % und der EU –32 %. Die deutsche Stahlrohrproduktion war 2009 um 25 % zurückgegangen auf 2,9 Mio. t. Dabei profitierte die Produktion bei Großrohren vom langfristigen Projektgeschäft, das einen tieferen Absturz verhinderte. Betroffen waren alle Sorten, wobei geschweißte Großrohre weltweit mit –21 % auf 15 Mio. t stärker einbrachen als geschweißte Stahlrohre bis 16"/406 mm Außendurchmesser. Deren Produktion fiel um 10 % auf 62 Mio. t ab. Nahtlose Stahlrohre lagen mit –16 % auf 33 Mio. t dazwischen. Davon entfielen allein 22 Mio. t – also zwei Drittel der Weltproduktion– auf China, das in den letzten Jahren die Kapazitäten für nahtlose Stahlrohre stark erweitert hatte. Vor allem in den USA und in Russland wurden dagegen 2009 neue Produktionslinien für Großrohre errichtet.


Spätzykliker Wasser, Gas und Öl

Mit einem Zuwachs der Weltproduktion um 13 % auf rund 124 Mio. t in 2010 ließ die Stahlrohrindustrie den Vorjahreseinbruch schnell hinter sich. Die Rekordergebnisse aus 2007 und 2008 wurden wieder erreicht. Großen Anteil daran hatten wieder die chinesischen Hersteller. Mit 9,5 % Zuwachs der Produktion auf 58 Mio. t erreichten sie 2010 einen Weltmarkanteil von 46 %. Im Rest der Welt stieg die Produktion gegenüber 2009 sogar um 17 % zu auf 67 Mio. t. Dennoch wurde der Rekord des Boomjahrs 2008 – knapp 80 Mio. t – deutlich verfehlt.

Gegenüber 2009 legten 2010 alle Segmente zu, wenn auch mit verschiedenen Steigerungsraten. Am stärksten legten die nahtlosen Stahlrohre zu. Ihre Produktion stieg weltweit um 19 % auf 39 Mio. t. Weniger wiederbelebt war die Nachfrage nach kleinen geschweißten Rohren bis 406 mm Außendurchmesser sowie nach geschweißten Großrohren, die um je 11 % zulegen konnten. Mit über 60 Mio. t blieb das Marktsegment der kleinen geschweißten Rohre mit Abstand der größte Bereich vor den nahtlosen Rohren mit 39 Mio. t. Motor dieser Entwicklung der Energiesektor, der infolge der wieder gestiegenen Ölpreise für stärkere Investition sorgte. Die Nachfrage aus dem Automobilbau und die Erholung im Maschinenbau kamen hinzu.

Mit rund 13 Mio. t übertrafen Europas Stahlrohrhersteller 2010 das Vorjahr um 13 %. Das entsprach dem weltweiten Durchschnitt. Geringer wuchs die deutsche Produktion. Sie nahm 2010 um 10 % zu auf 3 Mio. t. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die deutsche Stahlrohrindustrie mit einer guten Beschäftigungslage im Großrohr-Bereich das Krisenjahr 2009 besser überstanden hatte als andere europäische Produzenten. Dies lag unter anderem an der Akquisition zweier Pipeline-Großaufträge. So erhielt der Mülheimer Großrohr-Hersteller Europipe – ein Joint Venture der Salzgitter Mannesmann GmbH und der AG der Dillinger Hüttenwerke – den Zuschlag für die Projekte Nord Stream II und Nordeuropäische Erdgasleitung NEL.

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