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4/2011 November
 
 
 Wolfgang Filì, Chefredakteur<br>
Wolfgang Filì, Chefredakteur
EDITORIAL

Wirkmechanismen und wirkliche Trends

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Jede Nachricht ist eine Ware. Ist sie heikel bis negativ, lässt sie sich besser vermarkten. Fußball ausdrücklich ausgenommen, ist dies ein Gesetz der Tagespresse.
Kühlt also das Geschäftsklima ab, sind das aus Verlegersicht gute News. Sie werden gelesen, nicht zwingend geprüft, noch seltener im Kontext bewertet und am besten so weit verinnerlicht und zur realen Stimmung, dass sie ihrerseits weitere News generieren. Etwa: „Ifo-Index bricht abermals ein“, „... weiter auf Talfahrt“, „... schlechtester seit Jahren“, und so fort. Das hat Dramatik, nicht unbedingt Qualität, und kokettiert mit der Rezession. Wir folgen solchen News gebannt. Gegen knackige Krimis hat’s jede Doku halt schwer. Und überhaupt: Was zählt bei dem Plot schon der Faktengehalt?
Nun ist die UMFORMTECHNIK kein Tagesblatt. Sie ist auch nicht dem Drama verpflichtet. Die Technik daselbst ist spannend und ihr Markt bewegt genug. Letzteren halbwegs richtig einzuschätzen, braucht’s aber weniger den Ifo-Index. Technische Fachzeitschriften – allemal für die verarbeitende und Investitionsgüter-Branche – folgen vielmehr Analysen von Banken und Verbänden. Dort geht’s weniger aufgeregt zu, und die Fakten sind durchweg hart.
So weisen die Deutschen Banker nach, dass die produzierenden Betriebe im Vergleich zum Rest der Eurozone bestens dastehen. Begründet wird mehrdimensional. Zwischen Jahrtausendwende und 2009 seien die Lohnstückkosten um 7 % gestiegen. In der kompletten Eurozone waren es 21 %. Zudem ist das Zinsniveau euroweit flach. Dies erleichtert Ausrüstungsvorhaben und stützt die deutsche Investitionsgüterbranche. Und es stimmt die Produktpalette: Innovative Autos, Anlagen und Maschinen aus der BRD sind vor allem in den stark wachsenden Schwellenländern gefragt. Last-but-not-least drückt das schwache europäische Wachstum auf den Eurokurs. Der Preis der Exporte bleibt wettbewerbsfähig.
Ebenso nüchtern die Wirtschaftsvereinigung Stahl: Ja, der Markt wachse 2012 moderat weiter. Nein, die Stahlindustrie bleibe von trüben Konjunkturprognosen natürlich nicht unberührt. Klar: Die Stahlabnehmer seien zurzeit bemüht, ihre Lagerbestände auf das Notwendigste herunterzufahren. Gleichwohl: Alle Indikatoren sprächen dafür, dass es sich bei der aktuellen Seitwärtsbewegung nur um eine vorübergehende Entwicklung handle, die im Verlauf des Jahrs 2012 wieder überwunden werde. Fundamentale Trendumkehr sei unwahrscheinlich. Eine Rezession, geschweige denn ein ähnlicher Absturz wie im Herbst 2008, sei unwahrscheinlich.
Das alles klingt ziemlich unspektakulär. Vor allem aber wird Einschätzung hier begründet. Für „bad news“ – Pardon: nach Tageszeitungs-Verständnis eine„gute Nachricht“ – reicht das kaum. Und wie denn auch? Es geht wohl um wirkliche Trends.

Wolfgang Filì
Chefredakteur


 
 
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