


Kaltmassivumformung 2012
15. und 16. Februar ist es so weit. Zum 27. Mal trifft sich die Kaltmassivumformer-Branche im Düsseldorfer Hilton zur jährlichen Standortbestimmung. Experten berichten zu Trends bei Tools und Teilen, Maschinen, Material und Abläufen sowie den Aussichten der Branche. Tagungsleiter Peter Groche vom Darmstädter Institut für Produktionstechnik und Umformmaschinen skizziert sie vorab.
Umformtechnik: Herr Groche, wie schätzen Sie die Aussichten der Kaltmassivumformer-Branche für 2012 ein?
Peter Groche: Durch die guten Verkaufszahlen des größten Abnehmers, der Automobilindustrie, sind sie für das kommende Jahr sehr positiv. Die Entwicklung ist durch die schwer einzuschätzende Wirtschaftslage sowie die Schuldenkrise aber mit Risiken behaftet. Entsprechend zeichnen sich – bei weiterhin sehr hoher Auslastung – bereits vorsichtigere Materialeinkäufe und eine Verringerung der Lagermengen der Fertigung ab.
Umformtechnik: Welche neuen Märkte sind insoweit interessant und aus technischer Sicht auch zu bedienen?
Peter Groche: Interessante neue Märkte für die Kaltmassivumformung ergeben sich über die errungenen Technologien und Prozessverbesserungen. Verbesserte Hartmetallwerkzeuge und optimierte Tribologie machen es möglich, Bauteile aus hochfesten und nichtrostenden Stählen zu fertigen. Zeitgleich steigen Maßgenauigkeit und Oberflächenqualität, wodurch immer mehr auf die Nachbearbeitung verzichtet werden kann. Dies wird durch eine Integration der Herstellung von Funktionselementen in die Umformung unterstützt. Hierdurch sind neue, komplexere Bauteile etwa in der Verbindungs- und Medizintechnik sowie der Nahrungsmittelindustrie vorstellbar. Besonders interessant ist die Elektromobilität. Durch den veränderten Antriebsstrang fallen nicht nur klassische Bauteile weg. Es entstehen auch neue Komponenten.
Umformtechnik: Welche Innovationen in der Kaltmassivumformung sehen Sie, die in den nächsten Jahren greifen werden?
Peter Groche: Innovationen gab es auf vielen Gebieten. Besonders ausgeprägt werden sich die Fortschritte bei der Simulation zeigen, da sich diese in den Unternehmen etabliert haben. Zudem werden größere Benutzerfreundlichkeit und Genauigkeit die Komplexität der durchgeführten Simulationen erhöhen. Hierdurch wiederum ist es in Kombination mit verbesserten Werkzeugen möglich, aufwändigere, hoch belastende und schwer einzuschätzende Bauteile für die Kaltmassivumformung zu erschließen. Des Weiteren zeichnet sich ab, dass neue Pressentechnologien wie Servopressen oder spezielle Bauarten hydraulischer Pressen konkurrenzfähig sind. Es ist zudem davon auszugehen, dass der Anteil ökologischer Schmierstoffe durch die wachsenden Umweltanforderungen und die verbesserte Leistungsfähigkeit von Polymeren steigt.
Umformtechnik: Welche Entwicklungen werden derzeit besonders gefördert?
Peter Groche: Forschungsvorhaben zielen häufig auf die Verbesserung der Umweltfreundlichkeit und eine Erhöhung der Ressourceneffizienz der Prozesse und Bauteile ab. Hierdurch liegen die Schwerpunkte nicht nur auf den eigentlichen Umformprozessen, sondern beziehen immer mehr die vor- und nachgeschaltete Bearbeitungsschritte ein.
Umformtechnik: Was können die deutschen Betriebe im internationalen Vergleich an Alleinstellungsmerkmalen aufweisen?
Peter Groche: Das bedeutendste der deutschen beziehungsweise der deutschsprachigen Branche ist die Qualität. Sie resultiert aus der Sorgfalt bei der Prozessauslegung und stabilen, optimierten Abläufen. Zudem setzen die Betriebe stark auf Innovationen und haben – zumindest bis jetzt – ausreichend hoch qualifiziertes Personal, um diese umzusetzen. Hinzu kommt das gute Netzwerk, das zwischen den Presswerken und Zulieferern sowie den Anwendern und Hochschulen existiert und Wissen wie Anforderungen transferiert. Dies führt zu einem hohen technischen Stand in allen Bereichen der Kaltmassivumformung. Darüber hinaus hat Deutschland große Fortschritte zur umweltfreundlichen und effizienten Fertigung erzielt. Durch dieses auch global immer bedeutendere Thema hat sich ein Vorteil ergeben.
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