UMFORMTECHNIK
2/2010 Juni

Wolfgang Filì, Chefredakteur
Viel Potenzial und wenig Asche
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Vor zwanzig Jahren war es der Flieger. Ohne Warnung ist er mitten in den Wortschatz gestandener Manager geknallt. Das gute alte Flugzeug hat er platt gemacht. Wer es dennoch nahm und nicht den Flieger, war unmodern. Bis zur Landebahn hat es das Modewort allerdings nicht geschafft. Die liegt immer noch am Flughafen und nicht am Fliegerpoint, - port, oder -spot.
Wenig später die Aktivitäten: Kaum ein Betrieb plant mehr ohne sie! Der Unterschied zum Flieger ist nur, dass dieser – so er starten darf – tatsächlich etwas tut. Aktivität ist die Summe von Handlungen, Aktivitäten die Mehrzahl davon - im Grunde ist damit nichts gesagt. Denn dass Marketing forscht und handelt, sich rührt, bemüht und dafür sorgt, dass am Ende die Fertigung brummt, darf man getrost unterstellen.
Marketing-Aktivitäten-Planung braucht niemand, es sei denn, er möchte anderen Zeit stehlen oder hausintern seine Bedeutung herausstellen. Umsatz jedenfalls schafft sie nicht. Aber besser noch kommt’s. Spätestens Web 2.0 hat uns nämlich das „Potenzial“beschert. Viele hätten es zwar, ruften es aber nicht richtig ab, sagt der Bundestrainer. Womöglich fehlt ihnen das Zeug dazu, dachte man sich vor zehn Jahren noch. Aber das klingt heute unsachlich.
Wenn Macher, Marketing- oder Medienmenschen nun über Potenzial reden, ist selten die Fähigkeit eines Kraftfelds gemeint, Arbeit unabhängig vom beteiligten Körper zu verrichten. Auch geht es kaum um Leistungschancen. Beides wäre des Wortes Sinn. Wer Potenzial sagt, denkt ans Sparen: oft bei der Zeit, öfter bei Energie, Effizienz, Rüstzeit und Stahlpreis, in jedem Fall aber bei den Ausgaben. Bloß müsste man wissen, wo genau Potenzial sich abrufen lässt? Viele suchen und noch mehr schreiben darüber, sagen damit aber wenig.
Kein Problem, meldet nun die Pressestelle eines bundesweiten Forschungsverbunds. Man entwickle verstärkt Aktivitäten in Sachen Energie-Effizienz-Einsparungs-Potenzial! Das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen: ein Wort mit der Inbrunst eines Vulkans. Anders als Eyjafjallajökull kommt es aber nicht mit Asche daher, sondern schallt bescheiden und macht Rauch um nichts.
Man denke sich einen vielfliegenden Forscher, Manager, Marketingmenschen, dessen Flugzeug – pardon: Flieger – wegen Asche am Himmel nicht abheben darf. Der Arme weiß kaum, wohin mit seinem Potenzial! Womöglich nutzt er die tote Zeit für verstärkte Marketing-Aktivitäten und tippt Texte ins Notebook, die niemand recht braucht.
Des langen Vorspanns enger Sinn: Die Redaktion der UMFORMTECHNIK bemüht sich, aus oft schwabbeligem PR-Fleisch den Kern zu schälen, der Information und Nutzwert für Sie enthält. Nicht immer klappt dies geschmeidig und smart, konzentriert sich jedoch auf die Fachsubstanz. Zeit stehlen wir Ihnen jedenfalls nicht. Die brauchen Sie nämlich, damit Ihr Haus mit Umformung Umsatz machen kann „Asche“ oder Profit sagt man übrigens nicht mehr dazu ...
Wolfgang Filì
Chefredakteur
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