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2/2010 Juni
 
 
 Hans-Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.<br>
Hans-Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.
Bild: Stahl-Zentrum
 Hitzebeständiger Stahl macht höhere Wirkungsgrade möglich, die unterm Strich 29,5 Mio. t ansonsten emittierten Kohlendioxyds pro Jahr erübrigen: im Bild ein LD-Converter.<br>
Hitzebeständiger Stahl macht höhere Wirkungsgrade möglich, die unterm Strich 29,5 Mio. t ansonsten emittierten Kohlendioxyds pro Jahr erübrigen: im Bild ein LD-Converter.
Bild: Siemens
WERKSTOFFE

Mehr Klimanutzen als -kosten

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Auf erste Sicht fällt die Einschätzung leicht. Rohstoffgewinnung eingerechnet, emittiert die deutsche Stahlerzeugung jedes Jahr 67 Mio. t CO2, ein unterm Strich brutal hoher Wert. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl indes hält dagegen: Dank innovativer Stahlanwendungen fielen 74 Mio. t CO2 p.a. erst gar nicht an. Präsident Hans-Jürgen Kerkhoff erläutert die Details einer Studie der Boston Consulting Group.

Umformtechnik: Herr Kerkhoff, Sie haben von Boston Consulting die CO2-Einsparchancen der deutschen Stahlbranche zusammenstellen lassen. Was war der Ausgangspunkt?
Hans-Jürgen Kerkhoff: In der Diskussion zur Klimapolitik ist der Blick oft verengt auf die Reduktionsziele und Emissions-Grenzwerte der Industrie. Unserer Ansicht nach greift das zu kurz. Wer in Zusammenhängen denkt, muss den Beitrag berücksichtigen, den der Werkstoff Stahl zur Emissions-Einsparung in anderen Bereichen leistet wie, bei der Energie, im Verkehr oder Haushalt.
Umformtechnik: Was wurde untersucht?
Kerkhoff: Für Deutschland wurde zum Zeitraum 2007 bis 2020 anhand von acht innovativen Stahlanwendungen eine Bilanz berechnet. Betrachtet wurde die Bedeutung von Stahl für den Bau effizienter Kraftwerke und Windkraftanlagen, für Transformatoren, zur Gewichtsreduktion im Automobilbau und für den Abwärmetransport bei der Kraft-Wärme-Kopplung.
Umformtechnik: Das Fazit der Studie?
Kerkhoff: Das Einsparpotenzial durch den Einsatz von Stahl ist höher als die Emissionen aus der Stahlerzeugung in Deutschland. Für die betrachteten Beispiele ergibt sich über insgesamt ein Einsparvolumen von 74 Mio. t CO2 im Jahr 2020. Die Stahlerzeugung in Deutschland verursacht einschließlich Rohstoffgewinnung jährliche Emissionen von rund 67 Mio. t CO2. Diese können durch die ermittelte CO2-Einsparung also mehr als kompensiert werden. Betrachtet man nur die acht für die Studie untersuchten Stahlanwendungen, fällt die Bilanz noch positiver aus. Für die Produktion des erforderlichen Stahls fallen nur etwa 12 Mio. t CO2 im Jahr an. Der innovative Stahleinsatz spart also sechsmal so viel CO2 ein, wie bei der dafür erforderlichen Stahlproduktion verursacht wird.
Umformtechnik: Ein Beispiel dazu?
Kerkhoff: Beim Bau eines Kohle- oder Gaskraftwerks fallen für die Produktion des erforderlichen Stahls auf das Jahr gerechnet Emissionen unterhalb 100000 t CO2 an. Andererseits lassen sich durch innovative, hitzebeständige Stahlsorten in Turbinen, Kesseln und Dampfleitungen höhere Dampftemperaturen und -drücke und somit Steigerungen des Wirkungsgrads realisieren, Dank derer sich unterm Strich 29,5 Mio. t ansonsten emittierten Kohlendioxyds erübrigen. Insofern ergibt sich ein Verhältnis von Einsparungen zu Emissionen von 400:1.
Umformtechnik: An wen adressieren Sie das Ergebnis der Studie?
Kerkhoff: Die Untersuchung liefert den Beleg, dass dem Werkstoff Stahl eine Schlüsselrolle im Klimaschutz zukommt. Eine leistungsfähige Stahlindustrie, die die erforderlichen innovativen Stahlprodukte produzieren kann, ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Klimapolitik. Von der Bundesregierung erwarten wir, dies zu erkennen und für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu sorgen. Ihr Konzept muss die Belange der Energie-intensiven Branchen berücksichtigen. Sie und die Stahlindustrie in Deutschland liefern die innovativen Lösungen.


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Tel.: +49 211 6707-989
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